Debora – Trainingsmanual Rückenschmerzkompetenz und Depressionsprävention
Ein multimodales Kursmanual zur Förderung der Stressbewältigung
Zusammenfassung
Das stationär entwickelte, inzwischen auch ambulant, teilstationär und stationär einsetzbare Programm Debora richtet sich an Erwachsene mit unspezifischen chronischen Rückenschmerzen bei leichten depressiven Symptomen sowie an Patienten mit leichten bis mittelgradigen komorbiden unipolaren depressiven Störungen. Ziel ist die Verbesserung der Schmerzkompetenz und die Prävention bzw. Mitbehandlung komorbider depressiver Symptome.
Wichtige Inhalte sind der biopsychosoziale Zusammenhang von Verhalten, Gefühlen, Gedanken, Stress und Schmerz, Aktivitätsmanagement, Schmerzkommunikation, positive Veränderung von Gedanken sowie Stressverarbeitung. Das Programm umfasst vier Basismodule zur Schmerzkompetenz (Verhalten und Schmerz, Gefühle und Schmerz, Gedanken und Schmerz, Stress und Schmerz) und vier darauf aufbauende Zusatzmodule zur Depressionsprävention (Aktivitätsmanagement, Schmerzkommunikation und Gefühle, positive Veränderung von Gedanken, Stressverarbeitung).
Ein Modul besteht aus einer Gruppenphase (mit Trainer:in) und anschließender Transferphase (ohne Trainer:in). Ergänzend sind drei Vorträge vorgesehen: psychologische Grundlagen von Schmerz, medikamentöse Schmerztherapie sowie psychische Komorbiditäten bei chronischen Rückenschmerzen. Die Durchführung soll im geschlossenen Gruppensetting mit mindestens 6 und maximal 10–12 Teilnehmern erfolgen. Eingesetzt werden u. a. Kurzvorträge, Gruppendiskussionen, Brainstorming, Aktivierungsübungen, praktische Übungen, Kleingruppenarbeit, Einzelarbeit, Rollenspiele und Workshops. Die Workshopphase findet ohne Trainer statt und dient insbesondere dem Alltagstransfer.
Das Schulungsteam kann für das Schmerzkompetenztraining aus verschiedenen Berufsgruppen, z. B. Psychologen oder Gesundheitswissenschaftlern, bestehen. Die Depressionspräventionsmodule sollen von Psychologen bzw. entsprechend qualifizierten Gesundheitswissenschaftlern mit umfangreicher Erfahrung im Umgang mit klinischen Gruppen durchgeführt werden.
Evaluationsstudien liegen vor. Das Manual berichtet sowohl frühere kontrollierte Untersuchungen zum kognitiv-behavioralen Training als auch eine Evaluation des überarbeiteten Debora-Konzepts. Eine formative qualitative Evaluation untersuchte Akzeptanz und Durchführbarkeit anhand von 26 problemzentrierten Interviews. Zudem wird auf eine Wirksamkeitsstudie mit 1.307 Rehabilitanden verwiesen. Die Ergebnisse sprechen laut Manual für eine gute Akzeptanz und Machbarkeit sowie für Vorteile der kombinierten Intervention gegenüber dem alleinigen Schmerzkompetenztraining, insbesondere hinsichtlich erlernter Handlungsweisen und sozialer Unterstützung.
| Autoren | Beate Mohr; Sabrina Korsch; Svenja Roch; Petra Hampel |
| Lizenzhinweise | publiziert |
| Bezugsquelle | Mohr B, Korsch S, Roch S, Hampel P (2017): Debora – Trainingsmanual Rückenschmerzkompetenz und Depressionsprävention. Springer-Verlag GmbH Deutschland. ISBN 978-3-662-52738-2 (Print), ISBN 978-3-662-52739-9 (eBook), DOI 10.1007/978-3-662-52739-9. |
| Kosten | 66,99 Euro (eBook), 84,99 (Print) |
| Schlagworte | Chronischer Rückenschmerz; Rückenschmerzkompetenz; Depression; Schmerzkompetenztraining; kognitive Verhaltenstherapie; biopsychosoziales Modell; Selbstmanagement |
| Stand | Version 2017 |
| Anmerkungen zum Bezug | Das Programm wurde ursprünglich für die stationäre verhaltensmedizinisch-orthopädische Rehabilitation (VMO) entwickelt. Das Konzept wurde anschließend überarbeitet, aktualisiert und manualisiert. |
Ziele und Inhalte
| Zielgruppe des Programms | |
|---|---|
| Fachgebiet/Indikation | Dermatologie/Allergologie/Pneumologie |
| Thema/Erkrankung | Asthma bronchiale |
| Zielgruppe des Programms | Erwachsene |
| besondere Zielgruppenkriterien | Erwachsene Patienten mit unspezifischen chronischen Rückenschmerzen, die keine oder nur leichte depressive Symptome aufweisen, sowie gruppenfähige Patienten mit leichten bis mittelgradigen komorbiden unipolaren depressiven Erkrankungen. |
| Ausschlusskriterien | .Für die Teilnahme ist Gruppenfähigkeit erforderlich. Nicht geeignet bei somatischen oder psychischen Komorbiditäten, die eine aktive Teilnahme an interaktiven Übungen und Diskussionen einschränken oder verhindern. Zudem Vorliegen schwerer depressiver Erkrankungen mit oder ohne psychotischen Symptomen, Psychosen, akuten oder posttraumatischen Belastungsstörungen sowie schwere Angststörungen. Nicht vorgesehen bei spezifischen Rückenschmerzen aufgrund organischer Ursachen bzw. Red Flags (u. a. Tumoren, Entzündungen, Osteoporose, radikuläre Syndrome), nach operativen Eingriffen am Bewegungsapparat oder Unfällen innerhalb der vergangenen 6 Monate. Nicht geeignet bei zu geringen Deutschkenntnissen in Wort und Schrift. |
| Durchführung und Themen | |
| Setting | für ambulantes und stationäres Setting umsetzbar |
| Teilnehmerzahl | mindestens 6; maximal 10–12 |
| Anzahl der Einheiten | 8 Trainingsmodule in der vollständigen Variante; zusätzlich 3 begleitende Vorträge. Die 4 Basismodule können auch ohne Zusatzmodule durchgeführt werden; einzelne Zusatzmodule können indikationsspezifisch ergänzt werden. |
| Dauer der Einheiten | 100 Minuten pro Trainingsmodul: 75 Minuten interaktives Gruppentraining + 25 Minuten Workshop/Transferphase. Zusätzlich finden drei begleitende Vorträge statt; deren Dauer wird im Manual nicht als einheitliche Gesamtangabe ausgewiesen. |
| Frequenz der Einheiten | Das vollständige Training soll innerhalb einer Rehabilitationsmaßnahme durchgeführt werden (innerhalb von 3 bzw. 4 Wochen). Eine Mindestzeit zwischen einzelnen Einheiten wird nicht festgelegt. |
| Ziele und Inhalte | |
| Ziele des Programms |
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| Inhalte |
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| Anmerkungen zu Zielen und Inhalten | Die Inhalte orientieren sich am biopsychosozialen Erklärungsmodell, am Prinzip der Salutogenese sowie an auslösenden und aufrechterhaltenden Krankheitsbedingungen. Die vier Basis- und vier Zusatzmodule adressieren nacheinander behaviorale, emotionale, kognitive und sozial-interaktive Ebenen. Ein intensives Entspannungstraining ist nicht Bestandteil des Konzepts und sollte im Rahmen eines multimodalen Behandlungsprogramms ergänzend angeboten werden. |
Didaktik und Methoden
| Benutzte Methoden | |
|---|---|
| Methodenliste |
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| Anmerkungen zu Methoden | Ausgeprägte interaktive und aktivierende Ausrichtung. Der Anteil des Frontalunterrichts wird durch die drei ausgelagerten Vorträge reduziert. Innerhalb der Module werden Kurzvorträge, Gruppendiskussionen, Brainstorming, Aktivierungsübungen, Kartenübungen, Achtsamkeitsübungen, Einzel- und Kleingruppenarbeit sowie Rollenspiele eingesetzt. Die Workshops werden überwiegend selbstständig ohne Trainer durchgeführt. |
| Strukturierungsgrad | |
| Gruppenstruktur | beides |
| (Detailtiefe der Vorgaben, die vom Konzept formuliert werden) | |
| Strukturierungsgrad Methoden | hoch |
| Strukturierungsgrad Zeit | hoch |
| Strukturierungsgrad Struktur | mittel (modulabhängig) |
| Anmerkungen zur Struktur und Flexibilität | Die einzelnen Module sind sehr detailliert manualisiert: Lernziele, Inhalte, Methoden, Gruppengröße, Materialien und Zeitvorgaben werden angegeben. Ein Modul folgt grundsätzlich der Abfolge Einführungs-, Edukations-, Übungs-, Abschluss- und Transferphase. Die vollständige Kombination der acht Module ist festgelegt, zugleich erlaubt das Manual eine indikationsspezifische Kombination bzw. das Weglassen einzelner Zusatzmodule. Die Zeitangaben werden ausdrücklich als Orientierungshilfe bezeichnet. |
| Einbindung externer Ressourcen | |
| Nachsorgemaßnahmen | Werden empfohlen, sind aber nicht Teil des Programms. |
| Vorbereitungsmaßnahmen | Vor dem ersten Trainingsmodul sollte der Vortrag „Psychologische Grundlagen von Schmerz“ durchgeführt werden. Außerdem sind umfangreiche organisatorische und materielle Vorbereitungen für Trainer und Trainingsräume vorgesehen. |
| Einbezug von Angehörigen | – |
| Maßnahmen zum Alltagstransfer | Der Alltagstransfer ist ein ausdrücklich benanntes Trainingsziel. Die 25-minütigen Workshops dienen als Transferphase und ersetzen die herkömmliche Hausaufgabenmethode. Die Teilnehmer bearbeiten selbstständig alltagsnahe Übungsaufgaben und reflektieren deren Umsetzung. |
| Einbezug von Selbsthilfeorganisationen | – |
| Anmerkungen zu externen Ressourcen | Das Training ist als psychologischer Baustein in multimodale Behandlungsprogramme bei unspezifischen CRS integrierbar. Die Basismodule können allein eingesetzt werden; Zusatzmodule können je nach Indikation ergänzt werden. Das Konzept ist für rehabilitative und kurative Anwendungen sowie ambulante, teilstationäre und stationäre Settings angepasst. |
Rahmenbedingungen
| Angaben zu den Dozent:innen | |
|---|---|
| Dozent:innen | Leitung des Schmerzkompetenztrainings: verschiedene Berufsgruppen, z. B. Psychologen oder Gesundheitswissenschaftler. Leitung der Depressionspräventionsmodule: Psychologen mit Diplom-/Masterabschluss bzw. entsprechend qualifizierte Angehörige gesundheitswissenschaftlicher Berufsgruppen mit umfangreicher Erfahrung im Umgang mit klinischen Gruppen. |
| Qualifikation des Personals | Für die Depressionspräventionsmodule werden besondere Anforderungen an Qualifikation und klinische Gruppenerfahrung gestellt. Eine spezifische Train-the-Trainer-Fortbildung wird im Manual nicht beschrieben. Für die Leitung werden jedoch entsprechende fachliche Qualifikation und Erfahrung mit klinischen Gruppen vorausgesetzt. |
| Besonderheiten zum Personal | – |
| Ausstattung und Material | |
| Materialien der Schulung | Trainerpräsentationen für alle acht Module; Arbeitsblätter; Poster; Kartenmaterial; Rollenkarten; Teilnehmeranleitungen; Videos; Aktivitäten-Gefühle-Schmerz-Protokoll; ABC-Schema; Materialien für Workshops; Materialien zur Vorbereitung des Abschlussrituals; optionale Teilnehmerbroschüre; drei Präsentationen für die begleitenden Vorträge. |
| räumliche Voraussetzungen | Ruhiger, ausreichend großer Gruppenraum für aktivierende Übungen; Möglichkeit zur kreisförmigen Bestuhlung. Stühle und optional kleine Tische. Technische Ausstattung: Laptop/Beamer, Flipchart, Whiteboard |
| Besonderheiten zur Ausstattung | Weitere benötigte Materialien: DIN-A4-Papier und Stifte; Ball; Seil mit Skalierungsstufen. Je nach Modul weitere Materialien, z. B. Genussmittel, Karten, Pappwaage, Mülleimer und Videos. |
Evaluation und Publikationen
Zusammenfassung der Evaluation
Das Manual berichtet mehrere Evaluationsansätze.
Die ursprüngliche Trainingskonzeption wurde zunächst in zwei Rehabilitationskliniken der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen in die Behandlung unspezifischer chronischer Rückenschmerzen integriert und im Bereich der klassischen orthopädischen Rehabilitation evaluiert. Die Ergebnisse zeigten laut Manual, dass ein kombiniertes Training mit störungsspezifischen Modulen zur Prävention und Mitbehandlung komorbider depressiver Symptome einem alleinigen Schmerzkompetenztraining überlegen war und einer weiteren Schmerzchronifizierung sowie der Manifestation komorbider depressiver Symptome vorbeugen konnte.
Das überarbeitete und manualisierte Debora-Training wurde von Oktober 2014 bis Dezember 2015 in der verhaltensmedizinisch-orthopädischen Rehabilitation evaluiert. Die Wirksamkeitsstudie umfasste insgesamt 1.307 Rehabilitanden. Das Manual berichtet damit eine umfangreiche quantitative Evaluation des Programms.
Zusätzlich wurde eine formative qualitative Evaluation zur Akzeptanz und Durchführbarkeit durchgeführt. In die Auswertung gingen 26 problemzentrierte Einzelinterviews ein (18 Frauen, 8 Männer; Alter 28–60 Jahre). Die Rehabilitanden befanden sich in einer 3- bis 4-wöchigen stationären VMO. Verglichen wurden ein Basistraining mit den Modulen 1–4 und eine Interventionsbedingung mit den Modulen 1–4 plus 1a–4a; außerdem wurde nach Depressivitätsgrad differenziert.
Die Akzeptanz wurde insgesamt positiv bewertet. In der Interventionsgruppe wurde das Training im Mittel mit 1,63 nach Schulnoten bewertet; die Kontrollgruppe erreichte 2,00, die Gruppe mit höherer Depressivität in der Interventionsbedingung 2,00 und die entsprechende Kontrollgruppe 2,40. Die Teilnehmer bewerteten insbesondere das biopsychosoziale Krankheitsverständnis sowie das Verhältnis von Theorie und Praxis positiv.
Hinsichtlich der Durchführbarkeit wurde das Training insgesamt als nachvollziehbar beschrieben. Teilnehmer mit höherer Depressivität berichteten teilweise Konzentrationsprobleme und wünschten eine bessere Integration in den Rehabilitationsablauf bzw. eine zeitliche Ausdehnung der Inhalte. Die Interventionsgruppe berichtete mehr bzw. präzisere erlernte Handlungsweisen; genannt wurden insbesondere biopsychosoziales Krankheitsverständnis, personale Ressourcen, Achtsamkeit und Entspannung sowie die Reflexion bereits verwendeter Handlungsweisen. Außerdem wurde eine erhöhte soziale Unterstützung durch die Gruppenarbeit beschrieben.
Das Manual zieht insgesamt die Schlussfolgerung, dass die kombinierte Anwendung sowohl zur Prävention als auch zur Behandlung leichter bis moderater depressiver Symptome geeignet ist. Die Autoren weisen zugleich darauf hin, dass die Durchführung innerhalb einer dreiwöchigen Rehabilitation organisatorisch anspruchsvoller ist als innerhalb einer vierwöchigen Maßnahme.
| Publikationen |
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Train-the-Trainer
| spezifisches TTT vorhanden? | k.A. |
Anmerkungen zum gesamten Programm
Das Manual ist zugleich theoretischer Hintergrund und detaillierte Durchführungsanleitung. Es umfasst vier theoretische Kapitel zu den Störungsbildern, ihrer Komorbidität und dem Forschungsstand sowie den eigentlichen Manualteil mit acht Trainingsmodulen und drei begleitenden Vorträgen. Das Konzept ist deutlich kognitiv-verhaltenstherapeutisch und biopsychosozial ausgerichtet.
Die Autoren beschreiben Debora ausdrücklich als störungsspezifisches kombiniertes Training für unspezifische CRS mit keinen, leichten bzw. leichten bis mittelgradigen komorbiden depressiven Symptomen. Für Patienten mit höherem Depressivitätsgrad werden im Evaluationsteil bei Bedarf zusätzliche Einzelbetreuung und eine stärkere Berücksichtigung von Achtsamkeit empfohlen. Das Manual verweist auf eine Integration in die verhaltensmedizinisch-orthopädische Rehabilitation (VMO) und auf das Anforderungsprofil der Deutschen Rentenversicherung Bund.
Stand des Eintrags: 11.09.2026

